Januar 2002 (Sächsische Zeitung)
Wasserskianlage spaltet die Bürgerschaft / Investor will schnelle Entscheidung / Ortsbeirat befürwortet Antrag an den Stadtrat
Auf Antrag der CDU hat sich der Stadtrat mehrheitlich für den Bau einer Auf Skiern oder mit dem Wakeboard genannten Brett übers Wasser gleiten oder akrobatische Sprünge wagen, ist trendy, sprich Mode in der Spaßgesellschaft. Und wer sich die zwei Euro für eine Runde oder zwölf Euro für eine Stunde am Schleppseil nicht leisten kann, leistet sich wenigstens das Vergnügen des Zusehens. In Scharen werden Sportbegeisterte aus ganz Ost-sachsen in Leuben erwartet, die für ihr spritziges Vergnügen mangels Angebot vor Ort jetz noch bis nach Leipzig, Halle oder Berlin fahren. An diesem Zuspruch für die im Ortsbeirat vorge-stellte Wasserskianlage zweifeln weder die Befürworter noch die Gegner.
Der Betreiber will für Ordnung sorgen
Offene Türen rannte Martin Riedel mit seinem Vorhaben "Wasserskianlage auf dem Leubener Kiessee" sowohl im Ortsamt, als auch bei Grundstückseigentümern, Stadträten und im Sport-stätten- und Bäderbetrieb ein. Denn der Initiator preist verlockende Vorteile an. So bekämen Jugendliche, aber auch andere Altersgruppen ein attraktives Freizeitangebot im Stadtgebiet, das noch dazu privatwirtschaftlich betrieben würde. Klubs und Vereine würden sich bilden, zumal Wasserski bald olympiareif sei. Den Besitzern der Gründstücke, die nach Beendigung der Auskiesung kaum noch Einnahmen von ihren Flächen zu erwarten haben, böte sich ein finanzielles Zubrot. An der ehemals illegalen, jetzt abgeflachten offenen Badestelle würden jetzt Ordnung und Sicherheit einkehren, versprach Riedel. Ortsamtsleiter Joachim Liebers und seine vielen Helfer brauchten dann nicht mehr Jahr für Jahr bis zu 100 Säcke Müll einsammeln. Für den Sportstätten- und Bäderbetrieb gäbe es "Synergieeffekte", sagte Sportstättenchef Harald Clausnitzer in Erwartung von Kostenersparnis und geringerem städtischen Arbeitsaufwand.
Bei soviel Zustimmung reichte Riedel eine Bauvoranfrage ein, die von der Stadt jedoch abschlägig beantwortet wurde. Der 30-jährige mit Immobilien-Verwaltung beschäftigte Dresdner wollte nicht gleich aufgeben. Er suchte und fand Unterstützung bei der CDU-Fraktion. Ihr Vertreter Steffen Kaden warb im Ortsbeirat Leuben jetzt für das Projekt. Er sagte: "Am südlichen Kiessee sind jetzt geregeltes Baden, Sport und Freizeit gewollt. Mit der Wasserskianlage werden die Verhältnisse jetzt geordneter. Wir wollen aus diesem Kiessee jetzt eine Perle machen."Der Stadtrat möge entscheiden, dass das attraktive Freizeitangebot noch mal geprüft und schließlich doch genehmigungsfähig wird. Ortsamts-leiter Liebers erwartet "unbürokratische Umwidmungen von Flächen, wie es bei anderen Großvorhaben auch möglich war". Und schnell soll das gehen. Schießlich steht Riedels Familie mit 250 000 Euro für die Investitionskosten bei Fuß. Das Geld muss arbeiten. Da sind mir Fristen gesetzt", sagt der unternehmerische Spross.
Keine Parkflächen ohne B-Plan-Änderung
Ohne Wiederaufnahme des sich seit 1993 hinziehenden Verfah-rens für den Bebauungsplan 43 Dresden - Leubener Straße/ Kiesgruben wird es die Wasserskianlage aber kaum geben. OB Ingolf Roßberg sprach von "frühestens 2003". Unumwunden äußerte er in der Ortsbeiratssitzung, dass er den langwierigen, jetzt aber kurz vor dem Abschluss stehenden Rahmenbetriebsplan zum Leubener Kiessee, nicht gefährden möchte. Ähnlich wie Ortsbeiratsmitglied Stephan Kühn (Bündnis 90/ Grüne) begrüßte er die sportliche Attraktion für die Dresdner, aber der Standort Leuben sei abzuwägen. Wassersflächen von Cossebaude bis Moritzburg wurden genannt.
Viele Leubener waren gekommen, um ihre Bedenken zu äußern. "Da beißt dann kein Fisch mehr an", sagte ein Angler. "Mein Sohn ist 14 Jahre alt und würde sicher gern Wasserski laufen. Aber das Geld dafür hat er nich", sagte eine Mutter. Lärm und damit Unmut bei ihren Eigenheimbesitzern befürchtet die Viterra-Baugesell-schaft.
Vertreter des Stadtplanungsamtes informierten, dass für die offene Badestelle statt 17 dann nur noch 12 Prozent der Wasserfläche übrig blieben. "Da kann man gar nicht mehr raus schwimmen", rief ein Mann in die Debatte. nach dem Drumherum wurde gefragt. Dazu konnte Riedel nur vage antworten. Umkleidekabinen und die Ausrüstung werde es auf der hölzernen Plattform geben, von der aus auch gestartet wird. Eine Imbissbude wäre denkbar. Ob eine Klärgrube gebaut oder auf transportable Chemietoiletten orientiert wird, ist noch kein Thema. Riedel ließ aber durchblicken, dass er von der Stadt zumindest die Her-stellung eines ordentlichen Zugangs und Parkflächen erwartet.
Hier sieht Christian Korndörfer vom Umweltamt Konflikte, die auf jeden Fall durch das Bauordnungsrecht geklärt werden müssen. Er will aber nicht als Verhinderer gelten und sagte: "Ich halte das Vorhaben für interessant. Das Gewässer wird durch Wasserski an sich nicht beeinträchtigt." Außerdem hofft er, dass eine Nutzung des Areals seiner Verwahrlosung entgegenwirkt.
Die Sportjugend meldete sich nicht zu Wort
Dem hielten die Skeptiker schwankende Wasserstände und ufer- zerstörenden Wellenschlag entgegen. Andere begrüßten wohl, dass sich der Kiessee zur Perle Leubens entwickeln soll, aber eben nur für die Anwohner. Und die Wassersportbegeisterte und auf die Wasserskianlge wartende Jugend trat nicht in Erscheinung. Martin Riedel war schockiert. In einer ersten Reaktion sagte er: "Ich will mich nicht zwischen die Fronten begeben." Sein Projekt will er weiter verfolgen - vielleicht anderswo.
Der Ortsbeirat wackelte nicht. Er unterstützte mehrheitlich den CDU-Antrag. Auch der Sportausschuss votierte inzwischen dafür.
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